Die Zeitschrift 'LONDON LIFE' befaßte sich Anfang des 20. Jhdts. überwiegend mit modischen Themen, wie auch Korsetts und Erziehung junger Mädchen.
Hier sind einige bemerkenswerte Auszüge aus Leserbriefen, die das Blatt in den Jahren 1925-1928 erhielt:
"... meine Freundin überredete mich, mit ihr nach Brüssel zu fahren, wo ihre Nichte an einer modebewußten Schule ausgebildet wird ...
... die Nichte sah wirklich aus, als wäre sie gerade von einer der alten viktorianischen Schulen gekommen, wo strenges penibles Training von Figur und Körperhaltung eine so wichtige Rolle in der Erziehung junger Ladies spielte. Meine Freundin, die eine überzeugte Anhängerin des Korsettierens ist, hat kein Verständnis für neumodische Nachlässigkeiten bei jungen Mädchen, und war sichtlich entzückt von der Erscheinung ihrer Nichte. Dorothy posierte langsam und graziös, während ihre Tante sie inspizierte. Ihr Haar, nicht etwa frei herumflatternd, war straff nach oben gebunden und in sauberen Windungen etwa 25 cm hoch aufgetürmt. Sie trug schulterlange, extrem enge Handschuhe aus weißem Glattleder und ein schwarzes Satinkleid, das wie ein Futteral saß und bis an die Knöchel reichte. In ihren schwarzen Lack-Pumps mit nadelspitzen. 15 cm hohen Absätzen konnte sie so nur winzige Trippelschrittchen machen. Der Kragen des Kleides war so hoch, daß Ihr Kopf in einer (offensichtlich unbequemen) hohen Position gehalten wurde. Ihr hübsches Gesicht war aufwendig geschminkt und lackiert worden, und als einzigen Schmuck trug sie große Ohrringe. Sie war für unseren Besuch speziell präpariert worden, und Madame versicherte uns, daß Dorothys Figur eine der besten an der Schule sei. Fast eine Stunde habe man gebraucht, um ihre Taille auf 32 cm zusammenzuschnüren, noch 3 cm enger als sie sonst war. Wir hörten, daß alle Mädchen an der Schule auch nachts Korsetts und Handschuhe anbehielten. Madame erzählte uns, daß sie gegenwärtig 30 Mädchen in ihrer Obhut habe, und in allen Fällen habe sie von den Eltern die strikte Anweisung erhalten, die Taillen auf das kleinstmögliche Maß zu reduzieren."
"Ich lernte meinen Mann kennen, weil ich ohnmächtig wurde, als er mit mir tanzte, denn meine Taille war extrem eng geschnürt. In jenen Tagen brauchte ein junges Mädchen mindestens 3 Stunden um sich für eine Party oder einen Ball zu präparieren. Jede wollte die schmalste Taille und die hochhackigsten Schuhe haben, und so gaben die Mütter keine Ruhe, bis die Töchter beim Schnüren ohnmächtig wurden, als Beweis. daß die größtmögliche Taillenreduktion erreicht war.
Für den morgendlichen Parkspaziergang wurde das winzige Hütchen penibel festgesteckt, Schleier, Sonnenbrille und Stiefel mit so hohen Absätzen, daß man zum Gehen einen Stock brauchte, oder besser noch den Arm eines Mannes. Stellen Sie sich ein junges Mädchen vor, eng korsettiert bis an die Grenze der Bewußtlosigkeit, mit ihrer Mutter unterwegs zum Schuhmacher. Dieser lächelt wissend, als die Mutter Größe 37 für ihre Tochter angibt, und bringt hämisch grinsend ein Paar in 36. Es folgt ein Quetschen und Drücken, bis der Fuß hineingezwängt ist, und nachdem Mutter versichert, wie niedlich ihre Füße in den neuen Schuhen aussehen, wird der Kauf getätigt, und die junge Dame verläßt lächelnd das Geschäft, ihre Füße eingezwängt wie in Schraubstöcke."
"Von Kindheit an bin ich an superenge Korsetts und Schuhe mit höchsten Absätzen gewöhnt. Ich trage selten Pumps mit Absätzen unter 12,5 cm, und meine Lieblingsstiefel und Schuhe haben alle 15 cm Absätze. Wenn ich diese trage, schnüre ich meine Korsetts aufs strengste zusammen. Meine 17jährige Tochter hat schlanke Füße und trägt problemlos 12,5 cm Absätze, und für unsere kleinen Tanzvergnügen läßt sie es sich nicht nehmen, auf grazilen 15 cm zu balancieren. Als junges Mädchen trainiert und gewöhnt an engste Korsetts, hat sie heute eine extreme Wespentaille."
"Meine Mutter wäre nie außerhalb ihrer Schlafgemächer zu sehen gewesen. ohne daß ihre Taille auf höchstens 42 cm geschnürt gewesen wäre.
Sie gab mir jeden Luxus, den sich ein Mädchen wünschen kann, aber kannte kein Erbarmen, wenn es um meine Figur und mein Aussehen ging. Von 14-18 Jahren wurde meine Figur mittels rigider Corsagen so geformt, daß sich meine Taille Monat für Monat um einen halben Zentimeter reduzierte. Jedes halbe Jahr bekam ich ein neues, engeres Korsett, und mit 18 hatte ich eine Wespentaille von nur 35 cm Umfang.
Sogar nachts mußte ich ein Korsett tragen, selbst die Füße wurden mit Spezialbandagen in Form geschnürt, um sie an das Tragen hochhackiger Schuhe zu gewöhnen. Gesichtsmasken und lange steife Handschuhe schränkten unsere Beweglichkeit weiter ein.
Mein Vater war nie zufrieden mit dem Umfang meiner Taille, die Zofen brauchten eine Stunde, um mich und meine Schwestern einzuschnüren, bis es nicht mehr weiter ging. Wir wurden an den Handgelenken an Haken in der Decke aufgehängt und unsere Füße wurden an Ringen im Boden festgebunden.
Eine der Zofen drehte sodann langsam die Schrauben eines Stahlgürtels zu, der über das eigentliche Korsett geschlossen wurde und es möglich machte. daß die andere Zofe die Korsettschnüre enger zog als es ohne diese teuflische Hilfe möglich gewesen wäre. Ohnmachten waren keine Seltenheit aber es war eben Mode und niemand kann die Befriedigung, begreifen, die wir empfanden, wenn wir unsere Taillen den Händen umfaßten und sich Daumen und Zeigefinger beider Hände berührten.
Lange Handschuhe wurden ununterbrochen getragen, die erschwerten, die Ellenbogen einzuknicken und unsere Füße wurden in die kleinsten und hochhackigsten Pumps gezwängt, die aufzutreiben waren. Wir waren nichts als bemalte Puppen, und unser Ehrgeiz war es, unsere Freundinnen auszustechen, egal wie weh es tat, denn irgendwelche Beschwerden zu äußern wäre der Gipfel ungehörigen Benehmens gewesen.
Meine Cousine sah mir eines nachmittags beim Schnüren zu und war so wildentschlossen, mich zu übertreffen, daß sie meine Zofe bat, den stählernen Schraubgürtel an ihrer Taille anzuwenden. Zwei ihrer Rippen brachen bei der plötzlichen und ungewohnten Anwendung des schraubstockartigen Instruments aber sie gab nicht einen Laut von sich. Sie ging nach Hause, um ihre Mutter mit ihrer 33-cm-Taille zu entzücken, und gab erst Wochen später zu, welche Qualen sie gelitten haben mußte."
"In einigen Läden wurde die Taillenweite der Verkäuferinnen nicht von der Maßgabe des Betreffenden bestimmt, sondern von der Chefin befohlen ...
... Oftmals, wenn Mädchen mit ihren Müttern kamen, um ein neues Korsett zu kaufen, gaben die Mütter die Größe an und wiesen jammernde Proteste der Mädchen mit dem Hinweis ab, sie wüßten besser, welche Maße die Unglücklichen hätten und so wurden sie häufig unter Tränen in viel zu enge Korsetts geschnürt ...
... Um die Töchter dazu zu bringen, sich noch enger schnüren zu lassen, ließen die Mütter oft auch die Kleider bereits zu eng zu machen, so daß sie nicht zugingen, bis daß die Trägerin sich noch ein paar Inches enger einschnüren ließ."
"Seit meinem 13. Geburtstag wurde meine Figur mit Korsetts korrigiert und verbessert. Ich kann mich noch an das Glück erinnern, das ich empfand, als ich mein erstes Korsett am Körper spürte.
Ab 16 begann ich, Korsetts ununterbrochen Tag und Nacht zu tragen. Die Nachtkorsetts waren sehr lang, vom Hals bis zu den Knien war ich extrem steif und unbeweglich, und die Taille war mit 35 cm noch 3 cm enger als bei den Tageskorsetts, die natürlich kürzer waren. Da mein Figurtraining langsam und planmäßig vor sich ging, mußte ich nie auf Apparaturen wie Deckenhaken, Dehnhaken oder Schraubhilfen zurückgreifen und fühlte nie das geringste Unwohlsein, mehr noch, ich fühlte mich erst richtig wohl, wenn ich eng geschnürt war. Für spezielle Anlässe schnürte ich mich sogar noch enger, bis herunter auf 30 cm. Die Spezialkorsetts, die ich für diesen Zweck hatte, trug ich bereits zwei Wochen vor dem Anlaß, und schnürte sie Nacht für Nacht enger. Hierzu mußte allerdings sogar ich mich an den Händen aufhängen lassen. Die letzten zwei Tage und Nächte ließ ich die Schnürung dann auf 30 cm. Meine Abendhandschuhe waren schulterlang, und extrem eng. Ich konnte meine Finger und Arme kaum bewegen, aber das Leder zeigte nicht die kleinsten Fältchen!"
"Ich kenne eine Dame, die für ihre Töchter ein spezielles Strafkorsett hat anfertigen lassen. Wenn sie sie erwischte, während sie sich nachlässig herumlümmelen, werden sie in dieses Ding gesteckt, das vom Genick bis herunter zu den Knien reicht und sie werden eingeschnürt, bis sie kaum noch atmen können. Sie müssen auch darin ausgehen, und ich habe sie schon mit einer auf 38 cm heruntergeschnürten Taille gesehen. Die Trägerin hat immer Riechsalz dabei, aus Angst, ohnmächtig zu werden."
"Vor etwa vier Jahren wurde ich aus 15 Bewerberinnen für die Stelle einer Zofe ausgesucht. Meine Chefin bestand darauf, daß sie für meine Uniform und, wenn ich einverstanden sei, auch für meine private Kleidung verantwortlich sein wolle. Sie war davon angetan, daß ich nicht dem allgemeinen Trend gefolgt war und meine Korsetts weggeworfen hatte. Auch wenn ich mich nicht sehr eng schnürte. Ich stimmte aber zu, da meine Chefin selbst eine überzeugte Anhängerin des Figurtrainings ist und es gern sah, wenn ihre Zofen ebenfalls proper geschnürt waren. Schnell wurde mir eines der echten, altmodischen Korsetts angepaßt, und meine Chefin selbst achtete darauf, daß ich so eng wie möglich geschnürt wurde und daß so oft wie es ging meine Taille weiter reduziert wurde. Meine Tätigkeit war außerordentlich leicht, und es schien, als ob meiner Chefin mein Aussehen wichtiger war als meine Arbeit. Meine schwarze Uniform aus Satin ist kniekurz. Ich darf Seidenstrümpfe tragen und meine schicken Schuhe haben 10 cm hohe Absätze. Ich sehe nicht schlecht aus, aber wenn ich Besucher empfange oder am Tisch bediene, werde ich besonders stark geschminkt und zurechtgemacht. Bei diesen Gelegenheiten werde ich extra eng geschnürt, und da ich glücklicherweise eine gutproportionierte Figur besitze, bringen mein hautenges Kleid und die schneeweiße Spitzenschürze meine Kurven bestens zur Geltung."
Eine Korsettmacherin von internationalem Ruf gibt an, daß sie häufig Bestellungen für Strafkorsetts von Mädchenschulen erhält, in denen eine aufmüpfige Schülerin auf bis zu 30 cm Taillenweite heruntergeschnürt werden kann. Sie versichert, daß sie viele Schülerinnen und deren Lehrerinnen auf dieses winzige Maß schnüren mußte, auf Befehl einer erzürnten Direktorin. Die Bänder wurden dann verplombt, damit die Bestrafte sie nicht lockern konnte, und die Unglückliche mußte manchmal Tag und Nacht für 2-3 Tage so eingeschnürt bleiben.
Das Strafkorsett, äußerst eng in der Taille, war mit Stahlrippen verstärkt, die es unmöglich machten, sich zu beugen und reichte bis fast an die Knie. Es hatte einen Schulterspanner, der so straff geschnallt wurde, daß die Trägerin steif wie ein Stock wurde. Es war nicht möglich, sich darin zu setzen, während der Mahlzeiten wurden die Disziplinarfälle an Haken in der Decke aufgehängt, vor speziell hohen Stehtischen stehend.
"Vor einigen Jahren kannte ich eine junge Dame. die eine eztreme Korsettfanatikerin war. Als ich sie kennenlernte, war sie 26, und war seit ihrer Kindheit sehr eng geschnürt worden. Um eine besonders herausragende Figur zu haben, kultivierte sie eine "Röhren-Taille", d.h. der Taillen-umfang war exakt gleich über eine Länge von 15 cm, wie bei einem Ofenrohr; und sie arbeitete ständig an der weiteren Reduktion des Umfangs. Zu speziellen Anlässen präsentierte sie eine phantastische Taille von 38 cm, nicht mehr und nicht weniger über die ganze Länge des 'Rohres'! Manchmal war ich zugegen, wenn sie in diese extreme Form geschnürt wurde. Es dauerte fast eine Stunde, und sie mußte mehrfach pausieren um sich von ihrer Zofe massieren zu lassen, die mit der flachen Hand das Fleisch nach oben und unten drückte, und dann wieder enger schnürte, bis die Ränder des Korsetts sich endlich hinten schlossen, auf der ganzen Länge des 'Rohres'."
"Die sogenannte 'Stiel'-Taille (im engl. Original "stovepipe" oder "stem" = Stengel, Stiel) wurde nur von sehr wenigen der fanatischsten Korsettanhänger angestrebt und erreicht, Anfang des 20. Jhdts., und wurde selten öffentlich vorgezeigt, wegen der extremen Form und Strenge. Zu Beginn der Schnürprozedur steht ein extrem starker Korsettgürtel, 15 cm breit, mit Schnürungen vorn, hinten und an beiden Seiten, das sogenannte Grundkorsett. Es hatte schwere Stahlstäbe eingearbeitet. die ca. 6-8 mm auseinanderlagen und Schutzstreifen darunter, um Quetschungen der Haut vorzubeugen. Zugeschnürt maß es 35 cm im Durchmesser und zwar exakt gleichermaßen vom oberen bis unteren Rand der 15 cm Breite.
Dieser Gürtel wurde der jungen Dame angelegt und bis auf 1 cm Abstand an allen vier Seiten zugeschnürt. Dann gönnte man dem Leib eine kleine Ruhepause, bevor das starke Schnüren begann. In dieser Zeit wurde ihr Haar in Locken gelegt und hochgebunden, ihr Gesicht aufwendig geschminkt und ihre Beine in hochhackige Stiefel bis zur Hüfte geschnürt Somit war sie bereit, um zum "Stiel" geschnürt zu werden. Dieses wurde langsam und stetig von der Zofe Mithilfe einer Freundin bewerkstelligt. Zuerst wurden die Seiten gleichzeitig bis auf 1/2 cm Abstand geschnürt, dann vorn und hinten. Jetzt hatte ihre Taille nur noch 40 cm Umfang, bis hierher war es einfach gewesen. Sie wurde sodann massiert, das Fleisch hoch- und herunter gepreßt, und bald darauf begann erneut das Schnüren, der Gürtel schnitt nun bereits tief ins Fleisch. Bis endlich dann als Triumph der Kunst über die Natur alle Seiten nahtlos geschlossen waren. Dann wurden die Schnüre verknotet und die Enden abgeschnitten, und sie maß nur noch 35 cm von Rand zu Rand ohne Abweichung, eine perfekte Stiel-Taille.
Die Strenge dieser Schnürung war nur zu offensichtlich, als sie quer durch den Raum zum Spiegel wankte, aber in ihren Augen blitzte der Triumph."
"... eine Dame aus Südamerika, die eine perfekte "Stiel"-Taille hatte von nur unglaublichen 32 cm Umfang und 13 cm Breite! Zusätzlich hatte sich diese, von Natur aus mit langem, schlanken Hals gesegnet, denselben längen lassen bis sie in der Lage war, steife Kragen von nur 30 cm Umfang und erstaunlichen 13 cm Höhe zu tragen."
"Während meine Taille reduziert wurde, wurde auch die Absatzhöhe meiner hochhackigen Pumps, die ich ausschließlich zu tragen hatte, von 10 auf 15 cm erhöht. Meine Tante drängte mit der Zeit immer mehr, daß ich mir doch eine 'Stiel'-Taille schnüren lassen solle, bis ich schließlich einwilligte.
Zunächst wurde ich Stück für Stück enger geschnürt, erhielt immer neue, engere Korsetts, bis ich nach 6 Monaten nur noch 43 cm Taille hatte.
Dann wurde ich für das Extremschnüren präpariert. Ein Ledergurt, der unter meinen Armen durchführte, wurde dann an der Decke befestigt, und mittels zweier weiterer Riemen wurden meine Fußgelenke an Bodenringen festgeschnallt.
Mit einem Flaschenzug waren meine Tante und ihre Zofen nun in der Lage, mich beliebig zu strecken, bis ich fast in zwei Teile zu zerreißen drohte.
Meine Arme wurden auf dem Rücken zusammengebunden, damit sie nicht im Wege waren, und es ging los. Zunächst schnürten die Zofen mich so fest es ging, bis es kein Millimeter mehr herauszuholen war. Dann wurde das fürchterliche Stahlinstrument zu Hilfe genommen. Dieser Gürtel aus zwei halbrunden Stahlbändern wurde mir um die Taille gelegt, über das eigentliche Korsett, und mittels langer Schrauben an den beiden Seiten festgezogen. Auf diese Weise gelang es schließlich, meinen Körper derart zusammenzupressen, daß die Taille über eine Breite von 12 cm nur noch 32 cm maß.
Mein Körper fühlte sich an, als hätte ich keine Verbindung mehr zu meinen Beinen, trotzdem war das Gefühl, eine solch irrwitzig kleine Taille zu haben, faszinierend."
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